LINC Personality Profiler (LPP) vs. DISG

Das DISG-Modell ist ein bekanntes Persönlichkeitsmodell, das Unternehmen oft einsetzen, um Persönlichkeiten innerhalb des Unternehmens zu betrachten. Es gibt jedoch auch andere Persönlichkeitsanalysen, die auf anderen Grundlagen basieren und teilweise aussagekräftigere Ergebnisse liefern. Eine davon ist der „LINC Personality Profiler“ (LPP), der das Big-Five-Modell nutzt.

Im Folgenden wird eine Abgrenzung zwischen den beiden Persönlichkeitsanalysen vorgenommen werden.

Inhaltsverzeichnis

DISG

Das DISG-Modell basiert auf einem typologischen Modell, das davon ausgeht, dass es vier Grundtypen der Persönlichkeit gibt:

  • Dominant (D-Typ) – Selbstbewusst, energisch und effizient
  • Initiativ (I-Typ) – Kommunikativ, teamorientiert und offen für Innovationen
  • Stetig (S-Typ) – Bescheiden, geduldig und zuverlässig
  • Gewissenhaft (G-Typ) – Analytisch, präzise und qualitätsbewusst

Das Modell betrachtet auch Mischtypen aus zwei der Grundtypen, wie beispielsweise Dominant-Initiativ oder Stetig-Gewissenhaft.

Es wurde 1979 von dem amerikanischen Psychologen John G. Geier entwickelt, vorwiegend basierend auf den Arbeiten und den typologischen Modellen von C. G. Jung und William Moulton Marston.

LINC Personality Profiler (LPP)

Der LPP basiert auf dem Big-Five-Modell aus der Persönlichkeitspsychologie. Das Big-Five-Modell geht davon aus, dass sich die Persönlichkeit aus einem Spektrum von fünf Hauptdimensionen zusammensetzt:

  • Extraversion – Intro- vs. Extraversion bzw. nach innen oder nach außen gerichtete Lebensweise
  • Gewissenhaftigkeit – Gewissenhafte/Leistungsorientierte vs. flexible Lebensführung
  • Offenheit für Erfahrungen – Offen für Neues vs. Fortführen von Bewährtem (Beständigkeit)
  • Verträglichkeit – Kooperatives vs. wettbewerbsorientiertes Handeln
  • Neurotizismus – Empfindsamkeit/Sensibilität vs. emotionale Stabilität

Diese Dimensionen werden in jeweils sieben Charakterfacetten pro Dimension unterteilt, die die Ausprägung näher spezifizieren. Dadurch wird nicht nur eine „Entweder-Oder“-Sicht erzeugt (z. B. gewissenhaft oder flexibel), sondern unterschiedliche Spektren innerhalb einer Dimension wiedergegeben. So kann beispielsweise eine Person sowohl ein hohes Maß an systematischen Vorgehen (ordnungsorientiert/gewissenhaft) haben als auch sich für Aufgaben interessieren, die sie als sinnvoll und spannend empfindet, anstatt immer nach Schema-F zu arbeiten (interessenorientiert/flexibel). Mit Hilfe der Dimensionen und ihrer Facetten können Verhaltenspräferenzen abgeleitet werden.

Die Entwicklung des Big-Five-Modells begann in den 1930er Jahren durch Louis Thurstone, Gordon Allport und Henry Sebastian Odbert und wurde seitdem weiter verfeinert.

Vergleich

Bewertung des verwendeten Grundmodells

DISG

Es gibt immer wieder Diskussionen über die Validität des verwendeten Grundmodells, d. h. ob die Ergebnisse objektiv (nach wissenschaftlichen Maßstäben) Gültigkeit besitzen.

In der Psychologie gelten typologische Ansätze, wie von Jung und Marston, als veraltet, da sie nur unzureichend den Charakter einer Person beschreiben und zu Schubladendenken führen können.

LPP

Das Big-Five-Modell gilt als das anerkannteste und am besten erforschte Persönlichkeitsmodell.

Es wurde seit seinen Anfängen immer weiter verfeinert und ist wissenschaftlich belegt.

Die fünf Charakterdimensionen gelten als sehr stabile und unabhängige Faktoren, die auch weitgehend kulturstabil sind, weshalb ihre Aussagekraft sehr hoch ist.

Erfassung und Auswertung

DISG

Die Erfassung erfolgt über einen Fragebogen mit Aussagen, bei denen die Selbsteinschätzung von „trifft gar nicht zu“ bis „trifft vollständig zu“ erfolgt. Die Fragen/Aussagen sind einem bestimmten Persönlichkeitstyp zugeordnet.
Die Bestimmung der Typen erfolgt durch die Aufrechnung der erreichten Punktzahl aus den einzelnen Fragen/Aussagen.
Es werden keine Vergleichswerte herangezogen, wie die Fragen von einer Normgruppe beantwortet wurden. Dadurch erfolgt auch keine Betrachtung, ob man sich innerhalb oder außerhalb der Norm befindet.

LPP

Die Erfassung erfolgt über einen Fragebogen mit Aussagen, bei denen die Selbsteinschätzung erfolgt, welche Aussagen mehr zutreffen als andere.
Die Bestimmung der Ausprägung einer Facette und der Dimensionen erfolgt durch die Bewertung einzelner Aussagen zueinander. Gleichzeitig werden die Aussagerankings mit den Aussagerankings einer Normgruppe verglichen. Daraus lässt sich ermitteln, ob man sich innerhalb oder abweichend von der Norm befindet.

Nachhaltigkeit / Betrachtungsdauer

DISG

Der DISG ist eine Momentaufnahme. Es ist ein einfaches und leicht verständliches Modell. Der Fokus wird dabei auf die vier Persönlichkeitstypen gelenkt, mit denen bestimmte Charaktereigenschaften verbunden werden sollen.
Es ist (ähnlich wie das Typenmodell nach Riemann-Thomann) nicht wissenschaftlich nachhaltig belegt, kann aber für einen groben, ersten Einsatz im Coaching oder der Team-Entwicklung verwendet werden. Es lässt aber einer nuancierten Betrachtung einer Persönlichkeit zu wenig Raum.

LPP

Der LPP betrachtet den Charakter einer Person. Durch die fünf Dimensionen und ihre sieben Facetten ist er deutlich feiner und detaillierter. Die Auswertung stellt keine Momentaufnahme dar, sondern erfasst die Person wie sie ist (wert- und vorurteilsfrei).

Der LPP ist sehr differenziert und eignet sich sehr gut für Coaching oder in der Team-Entwicklung. Die zusätzliche Betrachtung von Handlungsmotiven, die unabhängig von den Charaktereigenschaften sind, lässt sich ebenfalls gut bei der Betrachtung von Konflikten oder in der Führung verwenden.

Kritik

DISG

Im DISG-Modell werden mit den vier Haupttypen bestimmte Eigenschaften verbunden, die wiederum für manche Positionen in Unternehmen prädestiniert erscheinen:

  • Der „dominante“ Typ ist zielstrebig, entschlossen und trifft schnelle Entscheidungen – somit die „natürliche“ Führungspersönlichkeit.
  • Der „gewissenhafte“ Typ ist diszipliniert und analytisch – also am besten als Controller, im Finanzwesen oder in der Entwicklung/Forschung aufgehoben.

In der Realität zeigt sich, dass diese einfache Betrachtung oft nicht standhält. So kann ein analytisches Denken bei der Planung und Aufgabenverteilung auch für eine Führungskraft sinnvoll sein.

Diese Typisierung führt zusätzlich oft zu einem Scheuklappendenken und Fehlannahmen bei sich und anderen („Ich bin halt ein gelber Typ“).

Eine weitere Kritik ist die nicht nachhaltig wissenschaftlich nachgewiesene Aussagekraft der Ergebnisse.

LPP

Die Betrachtung beim LPP ist viel differenzierter und bildet weit genauer die charakterlichen Verhaltenspräferenzen einer Person ab: Ein Mensch, der zielstrebig und entschlossen ist, kann gleichzeitig diszipliniert sein und einfühlsam auf sein Team eingehen, ohne im Mittelpunkt stehen zu müssen.

Die Aussagekraft des Big-Five-Persönlichkeitsmodells ist nachhaltig durch viele Studien nachgewiesen und gilt heute als Standard bei der Betrachtung von charakterlichen Eigenschaften.